Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Augenbewegungen und den Denkprozessen im Gehirn.

Betrachten Sie mal das Bild, so ergibt sich daraus folgende Erklärung:

Bewegen sich die Augen nach links oben, erinnern wir uns in dieser Augenposition an Bilder. Wir aktivieren die rechte Gehirnhälfte.

Wenn Sie sich an ein schönes Erlebnis erinnern und Sie sind eher ein visueller Typ, dann werden Sie sich an Bilder zu diesem Ereignis erinnern, z.B. an einen schönen Strand, an einen tollen Sonnenuntergang oder an einen Bergsee. Es entstehen also Bilder, vor Ihrem inneren Auge. Und dann sind die Augen in der Regel nach oben links gerichtet.

Wenn Sie sich etwas vorstellen möchten, wie vielleicht etwas sein wird, z.B. wie es an dem gebuchten Urlaubsort aussehen wird, wie Sie dort vielleicht am Strand entlanglaufen oder wie Sie auf einer Berghütte sitzen werden, dann schauen die Augen nach rechts oben, die linke Gehirnhälfte wird aktiviert. Und Sie konstruieren sich Bilder in Ihrer Fantasie.

Erinnern Sie sich an ein Geräusch, an Wörter, an eine Geschichte, an Töne, dann schauen die Augen waagerecht zur linken Seite und Sie bekommen einen Zugang zu Ihrem auditiven Kanal. Und Sie erinnern sich an Geräusche und Töne oder Geschichten aus Ihrer Erinnerung.

Schauen die Augen waagerecht nach rechts, können Sie Geräusche und Töne auf der auditiven Ebene konstruieren.

Schauen die Augen nun nach unten, dann bekommen Sie einen Zugang zu Ihren Gefühlen. Wenn Sie sich an ein Ereignis erinnern und Sie schauen dabei nach rechts unten, dann werden Sie mit Ihren Gefühlen dazu in Kontakt kommen.

Fragen Sie Ihre innere Stimme oder Sie stehen vor einer Entscheidung, werden Ihre Augen nach links unten schauen.

Die oben genannten Augenbewegungsmuster gelten für die allermeisten Rechtshänder.

Es ist einmal interessant, das zu beobachten, bei sich selbst aber auch bei anderen Menschen. Augenbewegungen treten immer dann auf, wenn man nachdenkt, wenn man sich konzentriert, visualisiert und Situationen überdenkt.

Sie werden das sicherlich auch schon bei sich beobachtet haben. Sie sind im Gespräch mit einer Person und schauen demjenigen auch in die Augen, was ja höflich ist. Aber sobald der andere eine Frage stellt, gehen die Augen in eine bestimmte Richtung, weil Sie jetzt nach einer Antwort, nach einer inneren Information suchen.

Bei Lernprozessen spielen die Augenbewegungen auch eine große Rolle.

Wenn Ihr Kind z.B. nicht mehr zur Lehrerin schaut, wenn sie etwas erklärt, dann hat es seine Aufmerksamkeit nach innen gerichtet. Es braucht jetzt vielleicht innere Informationen, um auf eine Frage zu antworten, es richtet seinen Blick nach innen und startet einen Suchprozess. Es beginnt zu vergleichen, einzuordnen oder mit bereits gespeicherten Inhalten zu verknüpfen.

Hört Ihr Kind eine Geschichte, dann werden die Augen Ihres Kindes nach oben gehen. Es entstehen Bilder, es läuft ein innerer Film ab. Vielleicht gehen die Augen auch hin- und her, weil das Gehirn bereits bekannte Bildelemente mit neuen verknüpft. Wenn Ihr Kind eher gefühlsmäßig die Geschichte miterlebt, wird es nach unten blicken.

Kinder verbringen viel in Tagträumereien. Das ist ganz wichtig, damit sich Denkprozesse optimal entwickeln können.

Kinder werden allerdings zu schnell als unkonzentriert oder Träumer bezeichnet, wenn Sie während des Unterrichtes nach links schauen, um sich vielleicht an Informationen visueller oder auditiver Natur zu erinnern.

Wenn Sie Ihrem Kind also etwas erklären, ist es ratsam einmal auf die Augenbewegungen zu achten.

Sie können dabei sehen, auf welchem Kanal die Informationen verarbeitet werden und Sie sehen, wann der Denkprozess abgeschlossen ist, nämlich dann, wenn Ihr Kind Sie wieder anschaut.

Kinder sind keine kleinen Erwachsene. Kinder brauchen Zeit. Gut ist es auch, wenn Sie den Denkvorgang bei Ihrem Kind unterstützen, indem Sie zu ihm sagen: „Lass Dir Zeit!“.

Aufgrund dieses Wissens der Augenbewegungen, lassen sich auch verschiedene Lernstrategien entwickeln, z.B. die Rechtschreibstrategie, die wir  im Buch „Lernen mit Zauberkraft“ von Hedy Lötscher-Gugler entdeckt habe.

Wenn Ihr Kind innerlich die Wortbilder speichert, dann kann es diese beim Schreiben auch abrufen.

Das heißt, ihr Kind macht sich ein Bild von dem Wort, das es lernen möchte und speichert dieses Bild dann auch im Gehirn ab.

Dazu ist es sinnvoll, Lernwörter auf eine Karte zu schreiben und das Kind schaut das Wort in der Augenposition an, in der es sich am besten an Bilder erinnern kann. Bei den meisten Rechtshänder ist das links oben.

Lassen Sie Ihr Kind an frühere Ereignisse denken und stellen Sie Fragen dazu. Beobachten Sie die Augen, wenn es die Erinnerungen abruft. Sie werden mit der Zeit merken, welche Augenposition die optimale für Ihr Kind ist, um Wortbilder abzurufen.

Gehen Sie also wie folgt vor:

  1. Schreiben Sie das Wort auf eine Karte.
  2. Halten Sie die Karte mit dem Wort innerhalb des Gesichtsfeldes Ihres Kindes und zwar, dass das Kind nach oben links schauen muss. Das ist der Bereich für erinnerte Bilder. Ihr Kind soll sich das Wort anschauen, wie es aussieht. Es soll sich die Buchstaben merken, auch das Wortbild.
  3. Nehmen Sie anschließend die Karte weg, Ihr Kind soll weiterhin in die gleiche Richtung schauen und sich das Bild von dem Wort innerlich vorstellen und sich ein Bild machen. Wie sah das Wort aus?
  4. Ist ihr Kind noch unsicher, zeigen Sie ihm noch einmal die Karte mit dem Wort und zwar solange, bis es ein klares inneres Bild hat. Lassen Sie das Wort auch buchstabieren, von vorne und auch von hinten. Das Kind muss sich so das Wort vorstellen und visualisieren.
  5. Wenn Ihr Kind das Wort klar vor Augen hat, kann es das Wort aufschreiben.
  6. Ihr Kind soll anschließend das Wort, das es geschrieben hat, mit dem Bild, das entsteht, wenn es nach links oben schaut, vergleichen. Fühlt es sich so richtig an?
  7. Zum Schluss zeigen Sie ihm nochmals die Karte mit dem Wort im linken oberen Gesichtsfeld, um zu vergleichen.

Eine tolle Möglichkeit sich Wörter und Buchstaben im Gehirn einzuprägen, um in der Rechtschreibung besser zu werden. Probieren Sie es aus. Viel Spaß und gutes Gelingen damit.

 

 

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