Aktive frühkindliche Reflexe können Ursache für Schulprobleme sein.

Anhand eines Beispieles möchten wir Ihnen einmal aufzeigen, welche Auswirkungen der Moro-Reflex haben kann.

“Fabian fällt in der Schule immer auf. Es gibt oft Unruhe und Streit in seiner Umgebung. Er reagiert oft sehr unangepasst in bestimmten Situationen. Sagt sein Nachbar etwas, brüllt Fabian ihn an, er solle nicht so schreien. Auch seine Nase ist sehr geruchsempfindlich. Es stinkt oft um ihn herum.

Wenn er arbeitet, versteckt er sich hinter seinem Heft und schirmt es oft ab. Soll er von der Tafel abschreiben, braucht er sehr lange.

Man sieht ihn oft mit Süßigkeiten.

Wenn der Klassenraum gewechselt wird, hält er sich immer in der Nähe des Lehrers auf. Auf Klassenausflüge oder Klassenfahrten geht er nur ungern mit. Es bedarf langer Verhandlungen. Alles Neue macht ihm Angst und es bedeutet Gefahr für ihn. Er sucht sich Vermeidungsstrategien.

Fabian fühlt sich oft ungerecht behandelt, obwohl er selbst auch gerne austeilt.

Es kann auch sein, dass er völlig still auf seinem Stuhl sitzt – ihm fehlt die Kraft, sich am Unterricht zu beteiligen. Lernen, z.B. Lesen und Schreiben lernen, fallen ihm schwer.

Fabian ist intelligent. Er kann seine Intelligenz aber nicht umsetzen.”

Wie lässt sich Fabians Verhalten deuten?

Fabian schirmt sein Heft gegen für ihn zu helles Licht ab. Das helle Licht auf dem Blatt irritiert seine Augen. Seine Augen sind lichtempfindlich.

Der Grund, warum das Lernen schwer fällt, liegt an seiner mangelnden Konzentration – er lässt sich von allem und jedem ablenken. Er ist nicht in der Lage, die Geräusche um ihn herum, auszublenden.

Der Moro-Reflex reagiert auf alle Sinne. Fabian muss sein Umwelt immer wieder neu ordnen, damit in ihm keine Panik ausgelöst wird. Seine Sinne zeigen im Bedrohliches an, deshalb ist sein Modus ständig auf “Angriff”.

Dadurch verbraucht er auch sehr viel Blutzucker. Wenn er diesen nicht ausgleichen darf, reagiert er mit Rückzug und Apathie.

Hier ein paar allgemeine Erläuterungen zum Moro-Reflex:

Der Moro-Reflex ist der Reflex, der auf alle Sinneskanäle einwirkt, aber auch von allen diesen Kanälen Reize empfängt. Ein nicht integrierter Moro-Reflex kann große Auswirkungen haben, auf das Verhalten, die Motorik, das Lernen, die Wahrnehmung, usw..

Der Moro-Reflex entsteht im Mutterleib und trainiert die Atemmuskeln. Er lässt das Baby direkt nach der Geburt einatmen und den Körper sich strecken. Durch den Moro-Reflex kann das Baby auch Alarm schlagen und Hilfe herbeiholen. Das Baby ist ja noch nicht in der Lage, auf Bedrohung bewusst zu reagieren. Er ermöglicht also eine ganz unwillkürliche und sofortige Reaktion auf Bedrohung.

Ausgelöst wird der Moro-Reflex

  • auditiv (hören) – durch ein plötzliches Geräusch

  • visuell (sehen) – durch etwas, das plötzlich ins Gesichtsfeld dringt

  • taktil (fühlen, berühren) – durch eine unerwartete Berührung

  • vestibulär (Gleichgewicht) – durch einen plötzlichen Gleichgewichtsverlust

Wenn der Moro-Reflex nicht gehemmt wird, befindet sich das Kind oder auch der Erwachsene immer in Alarmbereitschaft. Das führt zu “überreagierendem Verhalten”. Das Kind ist in der Wahrnehmung hypersensitiv gegenüber Geräuschen, Licht, Menschenmengen, Kritik oder jeder Situation, die Stress erzeugt. Dem Kind fällt es schwer, Sinneseindrücke herauszufiltern.

Das kann zu unterschiedlichen Reaktionen führen. Die einen reagieren mit Rückzug, die anderen mit Aggressivität und Hyperaktivität (wie am aufgeführten Beispiel zu sehen ist).

Nachfolgend möchten wir Ihnen ein paar Beispiele nennen, wie Sie Ihr Kind unterstützen können, wenn der Moro-Reflex noch nicht integriert ist.

Durch den Moro-Reflex wird Adrenalin ausgeschüttet und der Blutzuckerspiegel steigt, das Sympathische Nervensystem wird aktiviert. Die Blutzuckerreserven werden aber sehr schnell wieder aufgebraucht. Das Kind kann Stimmungsschwankungen haben, wird schnell müde und gereizt. Die Konzentration lässt nach.

TIPP

Geben Sie Ihrem Kind zwischendurch immer mal wieder einen kleinen Imbiss, um den Blutzuckerspiegel wieder aufzubauen. Hier eignet sich am besten Obst oder Rohkost. Auf Süßigkeiten sollte verzichtet werden.

Sorgen Sie dafür, dass Lernen angst- und stressfrei erfolgen kann. Sorgen Sie für eine angenehme Lernumgebung zu Hause und am Schreibtisch.

Kinder mit offenen Moro-Reflex sind sehr schreck,- geräusch- und/oder geruchsempfindlich. Weil die Kinder ihre Umwelt ständig kontrollieren müssen, erweitern sich die Pupillen der Augen, um Klarheit für die Fernsicht zu erhalten. Es kann dadurch zu Problemen beim Lesen oder Abschreiben von der Tafel kommen. Die Akkomodation – die Einstellung von Nah- auf Fernsicht und umgekehrt – funktioniert nicht schnell genug. Die Genauigkeit und die Geschwindigkeit sind beeinträchtigt. Durch die erweiterten Pupillen sind die Augen sehr lichtempfindlich. Das weiße Papier oder auch das Sonnenlicht kann blenden.

TIPP

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht durch Sonnenlicht oder zu grelles Neonlicht geblendet wird. Schalten Sie das Licht nur ein, wenn nötig.

Manchmal kann eine Umstellung des Schreibtisches helfen, dass Ihr Kind nicht geblendet ist. Bewährt hat sich auch, das Lesematerial mit blau oder grün gefärbter Folie abzudecken, um den “Blendeffekt” auszuschalten. Besprechen Sie auch diese Möglichkeit mit dem Lehrer.

Lassen Sie Ihr Kind immer wieder Entspannungsübungen für die Augen machen.

Hier ein Beispielübung des Blinzelns:

“Setze Dich bequem hin. Halte Deinen Kopf gerade. Blinzle nun ganz leicht und gleichmäßig mit Deinen Augen. Male gleichzeitig mit beiden Händen Figuren in die Luft. D.h. Du malst mit beiden Händen jeweils gleichzeitig die gleiche Figur. Genieße es, mit den Händen zu malen und gleichzeitig den “Flimmereffekt” der Augen zu haben. Schaue dabei zuerst auf die Hände und dann darüber hinaus. Die Augen werden dadurch angefeuchtet und entspannen sich!”

Moro-Kinder lassen sich durch alles ablenken, was in Ihr Gesichtsfeld kommt. Auch sind sie sehr geräuschempfindlich. Die Konzentration ist daher nicht so gut. Sie bekommen viele Informationen nicht oder nur unvollständig mit.

TIPP

Sorgen Sie bitte für eine angenehme Lernumgebung, damit sich Ihr Kind gut konzentrieren kann.

Achten Sie darauf, dass möglichst viele Störquellen ausgeschaltet sind, die von außen kommen und auf die Sie und Ihr Kind Einfluss nehmen können. D.h. es sollen sich nicht so viele Dinge innerhalb des Gesichtsfeldes Ihres Kindes befinden, die es ablenken können. Toll ist es, wenn der Schreibtisch und das Zimmer aufgeräumt sind.

Schauen Sie auch, wo der Schreibtisch steht. An der Wand könnte ein Bild hängen, das Ruhe ausstrahlt, wenn die Augen des Kindes dorthin schauen. Sprechen Sie auch hier wieder mit dem Lehrer, dass Ihr Kind einen Sitzplatz erhält, von wo aus es sich gut konzentrieren kann.

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ungestört die Hausaufgaben machen kann. Es sollte keine laute Musik oder der Fernseher im Hintergrund laufen. Gut wäre eine Entspannungsmusik oder eine Musik die mit Alphawellen dem Gehirn hilft, sich zu entspannen – für bessere Konzentration.

Moro-Kinder brauchen ganz klare Regeln, Strukturen und Routine. Sie reagieren auf jede Veränderung erst einmal mit Angst.

TIPP

Bereiten Sie Ihr Kind rechtzeitig auf Veränderungen vor. Besprechen Sie mit ihm, wenn ein Ausflug in der Schule oder eine Klassenfahrt ansteht, damit es sich darauf einstellen kann. Moro-Kinder brauchen Zeit, sich auf Neues einzustellen. Besprechen Sie auch alle Eventualitäten.

Moro-Kinder können nicht gut mit Kritik umgehen und es fällt ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen.

TIPP

Wenn Ihnen an Ihrem Kind etwas nicht gefällt, wenn es etwas gemacht hat, das Sie nicht gut finden, dann versuchen Sie in der sog. “Giraffensprache” mit Ihrem Kind zu sprechen. Moro-Kinder haben oft ein angeknackstes Selbstbewusstsein durch das “Anderssein”. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, was Sie wahrnehmen, wie Sie sich fühlen, wenn Ihr Kind etwas gemacht oder gesagt hat, was nicht ok ist. Sagen Sie ihm dann, was Sie sich wünschen, was es besser oder anders machen könnte. So entsteht Wertschätzung und Harmonie.

Gerne möchten wir Ihnen unsere PDF-Handouts ans Herz legen, die ganz viele Informationen zu diesem Thema beinhalten. Mit diesen Tipps und Möglichkeiten geben Sie Ihrem Kind eine wertvolle Unterstützung. Klicken Sie nachfolgend auf das entsprechende Alter Ihres Kindes:

 

 

 

 

 

 

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