FRÜHKINDLICHE REFLEXE & FAMILIENALLTAG

7 Beobachtungen aus dem Alltag, bei denen sich ein genauerer Blick lohnen kann

Dein Kind rutscht beim Essen ständig auf dem Stuhl herum. Beim Schreiben wird der Stift fest umklammert. Bei den Hausaufgaben reicht manchmal schon ein Geräusch – und die Konzentration ist weg.

Oder vielleicht kennst du ganz andere Situationen: Eine kleine Planänderung bringt dein Kind völlig aus dem Konzept. Die Gefühle werden plötzlich riesengroß. Bestimmte Geräusche oder Kleidungsstücke sind kaum auszuhalten.

Und irgendwann fragst du dich:

„Warum fällt meinem Kind manches eigentlich so schwer?“

Manchmal hilft ein anderer Blick

Natürlich gibt es darauf nicht die eine Antwort. Kinder sind unterschiedlich und hinter Schwierigkeiten im Alltag können ganz verschiedene Dinge stecken.

Ein Bereich, den viele Eltern allerdings gar nicht kennen, sind die frühkindlichen Reflexe. Sie gehören ganz selbstverständlich zur frühen Entwicklung eines Babys. Mit zunehmender Reifung werden diese automatischen Reaktions- und Bewegungsmuster normalerweise in bewusstere Bewegungsabläufe integriert.

Wenn bestimmte Muster länger aktiv bleiben, können sie bei manchen Kindern im Alltag eine Rolle spielen. Und genau deshalb lohnt es sich manchmal, nicht nur auf das Verhalten zu schauen, sondern auf das, was der Körper vielleicht gerade leisten muss.

1

Sitzen fällt deinem Kind schwer

„Jetzt sitz doch bitte mal richtig.“

Vielleicht hast du diesen Satz schon hundertmal gesagt. Dein Kind rutscht hin und her, sitzt auf einem Bein, stützt den Kopf ab, wickelt die Füße um die Stuhlbeine oder steht nach wenigen Minuten wieder auf.

Gerade bei den Hausaufgaben kann das ganz schön anstrengend werden.

Aber was ist, wenn dein Kind nicht ständig anders sitzt, weil es keine Lust hat – sondern weil ruhiges Sitzen für seinen Körper tatsächlich anstrengend ist? Genau dieser kleine Perspektivwechsel kann spannend sein.

2

Malen, Schreiben und Basteln kosten viel Kraft

Vielleicht kennst du auch dieses Bild: Dein Kind schreibt drei Zeilen – und schüttelt schon die Hand aus. Der Stift wird fest umklammert, das Blatt verrutscht und irgendwann kommt: „Ich kann nicht mehr!“

Und du denkst: Wir haben doch gerade erst angefangen …

Dann schau einmal nicht nur auf die Handschrift, sondern auf den ganzen Körper. Sitzt dein Kind schief? Muss es sich stark abstützen? Bewegt sich beim Schreiben viel mehr mit als nur die Hand? Schreiben ist für den Körper nämlich eine ziemlich komplexe Aufgabe.

3

Bewegungen wirken manchmal ungeschickt

Der Ball fliegt in die eine Richtung – dein Kind greift in die andere. Beim Anziehen scheint plötzlich ein Arm im Weg zu sein. Es stolpert häufiger oder braucht länger, bis neue Bewegungsabläufe klappen.

Natürlich muss nicht jedes Kind ein Sport-Ass sein. 😉 Interessant wird es dann, wenn Koordination im Alltag immer wieder auffällt oder dein Kind selbst darunter leidet.

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4

Dein Kind ist schnell abgelenkt

Der Bleistift fällt herunter. Draußen fährt ein Auto vorbei. Im Nebenzimmer spricht jemand – und schon ist dein Kind mit seinen Gedanken ganz woanders.

Dann kommt schnell der Gedanke: „Wenn du dich einfach mal konzentrieren würdest …“

Aber Konzentration ist nicht nur eine Frage des Wollens. Das Gehirn muss ständig entscheiden, welche Informationen gerade wichtig sind und welche es ausblenden kann. Auch deshalb lohnt sich manchmal ein Blick auf die körperlichen Voraussetzungen.

5

Gefühle werden sehr schnell sehr groß

Eigentlich war es nur eine Kleinigkeit. Die Aufgabe klappt nicht sofort. Der Plan für den Nachmittag ändert sich. Der falsche Pullover liegt bereit.

Und plötzlich ist alles zu viel.

Was für uns Erwachsene nach einer Kleinigkeit aussieht, muss sich für ein Kind nicht klein anfühlen. Statt nur zu fragen „Warum reagierst du denn jetzt so?“, kann eine andere Frage helfen: „Was ist gerade so anstrengend für dich?“

6

Neues und Veränderungen verunsichern dein Kind

Eine Vertretungslehrerin. Ein neuer Sportkurs. Ein anderer Sitzplatz. Eine Übernachtung bei Freunden.

Manche Kinder springen einfach hinein. Andere möchten vorher ganz genau wissen, was passieren wird. Wenn Veränderungen immer wieder sehr viel Kraft kosten, kann es spannend sein zu beobachten, was deinem Kind Sicherheit gibt und wann sein System besonders schnell auf Alarm schaltet.

7

Geräusche, Berührungen und andere Reize sind schnell zu viel

„Das ist zu laut!“ – „Das kratzt!“ – „Fass mich nicht an!“

Manche Kinder nehmen Geräusche, Berührungen oder andere Sinneseindrücke sehr intensiv wahr. Andere suchen besonders viele Reize, möchten alles anfassen oder sind ständig in Bewegung.

Beobachte einmal ganz ohne Bewertung: Welche Reize sucht dein Kind? Welche vermeidet es? Und wann wird es ihm einfach zu viel?

Hast du dein Kind mehrfach wiedererkannt?

Dann hast du jetzt trotzdem noch keine fertige Erklärung dafür, warum bestimmte Dinge deinem Kind schwerfallen.

Und genau darum geht es uns auch gar nicht.

Viel schöner wäre, wenn beim Lesen vielleicht etwas anderes passiert ist:

Aus „Warum macht mein Kind das immer?“ wird vielleicht ein:
„Warum ist genau das für mein Kind so anstrengend?“

Diesen Blick mögen wir bei Brain4kids. Denn dann schauen wir nicht nur darauf, was ein Kind noch nicht kann – sondern beginnen zu verstehen, was hinter seinem Verhalten stecken könnte.

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